Mixed Media

20. Juni - 18. Juli 2004
Mixed Media: Neuer Reduktionismus – Ausstellung mit Jürgen Palmer (Stuttgart), Kurt Laurenz Theinert (Stuttgart), Marco Preitschopf (Karlsruhe)  – Fotografie, Video-Loops, Lichtinstallation, Soundinstallation

Videostill Jürgen Palmer

Videostill aus "danz" von J. Palmer

Still aus der Videosyntheziser-Performance von
K.L. Theinert und R. Blach

Installationsansicht M.Preitschopf

Die Ausstellung vereint profilierte Künstler aus Stuttgart und Umgebung und greift eine erkennbare Tendenz in der aktuellen Medienkunstszene auf. Diese besteht in einer sowohl formalen als auch thematischen Reduktion.
Unter dem Nenner des Reduktionismus treffen sich künstlerische Haltungen, die ornamentale Elemente zugunsten einer Klarheit, vor allem im formalen Bereich, beschneidet. Diese Klarheit, auch wenn nicht unbedingt leicht verständlich, beruht auf einer Einfachheit der visuellen Präsenz, so dass es zum paradoxen Eindruck einer schwerverständlichen Klarheit kommen kann, welche Vorgänge des Verstehens selbst reflektiert und thematisiert.
Um die beschriebene schwerverständliche Klarheit zu produzieren, wählen die Künstler Mixed Media-Techniken. Oft wird dabei ein künstlerisches Produkt durch mehrere Medien transportiert und gefiltert, oder in der simultanen Verbindung mehrerer Medien hergestellt. Inwiefern Medien bei diesem Prozess vorderhand Einfachheit und Klarheit bewirken, tatsächlich jedoch diese selbst wiederum verhindern, weil es sich um Medienkombinationen handelt, die Bedeutungen destabilisieren, soll mit dieser Ausstellung gleichfalls thematisiert werden.

Der Medienkünstler Jürgen Palmer arbeitet mit analogen und digitalen Medien. Er deckt mit seinen künstlerischen Arbeiten ein außergewöhnlich breites mediales Spektrum ab, wobei häufig ein Phänomen zum Tragen kommt, das mit „evacuating media“ bezeichnet werden kann. Es manifestiert sich zumeist als ein Evakuieren von Medien in andere Medien hinein – so, als traute er den etablierten Medien nicht; so auch, als befänden sich diese in der Not drohender Erstarrung und müssten hinwegtransportiert werden, um ästhetische Lebendigkeit zu gewinnen. Diese Vorgehensweise bietet den Vorzug medialer Entdeckungen, jenseits vordefinierter Gattungen.
Ziel ist dabei, eine Aura im Sinne einer intensiven Bildwirkung zu ermöglichen, beruhend auf hoher Bildenergie, Bildechtheit und Bildeinmaligkeit. Das gilt auch für seine digitalen oder analog-digitalen Arbeiten, bei denen reproduktive Prozesse integriert sein können. Sie erzeugen eine gleich gelagerte intensive Bildwirkung, nicht selten auf Grund des „evacuating media“, das neue, singuläre mediale Realisierungen erlaubt. Dass ausgerechnet für Palmers medienkünstlerische Arbeiten der Begriff der Aura Bedeutung besitzen soll, mag vorderhand verwundern, hat Walter Benjamin diesen Begriff doch an das unreproduzierbare analoge Kunstwerk gebunden. Doch in den spezifischen medialen Reibungen, Brüchen und Verlötungen, die das „evacuating media“ mit sich bringen kann, liegen auratische Möglichkeiten des Singulären.
Von Jürgen Palmer werden Screen-Objekte (Videoloops) und die Filmtrilogie „no danz“, „danz“ und „no“ gezeigt, zu Musik von Joachim Spieth („Joachim Spieth Remix“, Kompakt, Köln), DJ Rels („Diggin in Brownswood“, Stones Throw, Los Angeles, produziert von Madlib & Peanut Butter Wolf) und Jürgen Palmer.

Informationen: www.juergen-palmer.de

Weitere Informationen zu den ausgestellten Arbeiten von Jürgen Palmer: download

Der Foto- und Lichtkünstler sowie VJ (video oder visual jockey) Kurt Laurenz Theinert kommt aus der Schule der konkreten Kunst. Er konzentriert sich auf visuelle Erlebnisse, die nicht auf etwas Außerkünstlerisches verweisen oder eine fest codierte Semantik transportieren. Stattdessen lotet er formale und strukturelle Möglichkeiten von Linien, Formen und Flächen aus, bis hin zu monochromen Foto- und Lichtarbeiten.
Als VJ ist es Kurt Laurenz Theinert seit 2001 möglich, künstlerische Haltung auch live zu formulieren, und Zeit mit Licht zu gestalten.
Kern seines Vjing ist das von Roland Blach eigens für ihn entwickelte Softwareprogramm „ivis“, mit dem er über eine Keyboard-Tastatur und Pedale grafische Muster in Echtzeit erzeugen, projizieren, bewegen und verändern kann. Der Videosyntheziser erzeugt pulsierende Bilder aus rechteckigen Flächen und Linien, die permanent ihre Position, Größe und Farbe wechseln können.
Von Kurt Laurenz Theinert werden eine Lichtinstallation und Fotografien gezeigt. Zur Eröffnung spielt Theinert zusammen mit Roland Blach live auf dem Videosyntheziser.

Marco Preitschopf ist ein bildender Künstler, der jedoch seit Jahren im Bereich der (Sound-)Installation arbeitet – ohne die visuellen Elemente der Klanggenerierung zu verbergen. Im Gegenteil: einer minimalistischen Ästhetik folgend, werden Materialien und Technik der Klanginstallationen als visueller Teil exponiert.
Marco Preitschopf erzeugt in seinen Klanginstallation eine Unschärfe zwischen der Wahrnehmung des Werks und der Wahrnehmung dessen, was der Betrachter simultan aus sich selbst heraus generiert - der eigenen Melodie. Werkimpuls (akustischer und visueller Reiz) und Wahrnehmungsimpuls (physiologischer und psychologischer Eigenanteil der Wahrnehmung) werden vermengt. Dies geschieht, indem Preitschopf Phänomene der Psychoakustik und Resonanz für die Konstruktion einer komplexen akustischen Skulptur nutzt, die sich im Prozess der Wahrnehmung konstituiert. Das Gehirn wird direkt stimuliert und reagiert unmittelbar mit dem es umgebenden spezifischen, manipulativen Luftdruck: dem Sound.
Von Marco Preitschopf wird die Sound- und Videobeamerinstallation "the imaginative dead_the still responding ear of an curiously killed cat" gezeigt.

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