Konzeption

fluctuating images. contemporary media art
Verein zur Förderung zeitgenössischer Kunst mit neuen Medien e.V.

When fluctuating images opened its doors in the red light district of Stuttgart in March 2004, media art already had its acknowledged place in the art world. Nevertheless, the second part of the gallery name, “contemporary media art,” created some telling confusion. Visitors and the local press often described the venue as a “media gallery” or “media space,” unwittingly taking up a critical point of the discussion around media art: its focus on the technical aspect. The art drops out of the picture and all that remains is the (new) media . . . This very reductive notion of media art, however, was always contested by art theorists who felt that the exclusive focus on new media should be replaced by an analysis of specific artistic ways of dealing with the media—digital and analog—in general. Accordingly, fluctuating images started as a platform for contemporary works of art that added new and innovative perspectives to this kind of self-reflecting mediality. The aim was not only to present an aesthetic reflection on mediality, but to supplement it with scientific analysis, to create an interface between art and science. Based on this conceptual framework, fluctuating images developed some distinctive areas of interest: our early curatorial involvement with VJing grew into a focus on artistic audiovisual practices which resulted, among other things, in a two-year curatorial research project on visual music (2007–2008) and the publication Audio.Visual.—On Visual Music and Related Media (2009). This research focus subsequently led us to explore intersections between the field of audiovisual production and other practices such as performance, dance, design, and architecture.

In 2009, fluctuating images moved to Berlin and soon found a new home at General Public, an independent project space run collaboratively by a group of cultural workers, including visual artists and curators. These new surroundings proved very fruitful for fluctuating images’ transdisciplinary approach and resulted in a focused exploration of the considerable changes that artistic approaches within our fields of interest have undergone over the last years. Our world has become decidedly post-digital, we no longer live the glossy dream of the digital revolution, but its less shiny “afterglow,” to borrow the title of the 2014 transmediale. Post-digitality not only implies the natural co- and cross-existence of the digital and the analog—which has always been at the core of our critical analysis of mediality at fluctuating images—but also points to the very material side of digital immateriality: its political, geopolitical, and geophysical effects. The anthropocene has become our condition of life, which is why this condition must form the basis from which fluctuating images conceptualizes its presentations of, and reflections on, developments in art, design, and architecture.

Cornelia Lund and Holger Lund, August 2014

Eröffnung
März 2004, Vereinsform seit 07.02.2006
Orte: 2004-2008 Stuttgart, ab 2009 Berlin
Oktober 2010 - September 2015 ist fluctuating images Mitglied von disk e.V./General Public (Berlin) gewesen.
Seit Februar 2016 ist  fluctuating images Mitglied bei errant bodies (Berlin).
www.errantbodies.org/soundartspace.html

Zielsetzung
- zeitgenössische junge Medienkunst
- unabhängig
- unkommerziell
- internationale und regionale Ausrichtung, abwechselnd oder in Kombination
- Schnittstelle Kunst – Wissenschaft – Öffentlichkeit
- diskursive Kunstreflexion und -vermittlung

Publikationsmedium
Internet www.fluctuating-images.de/de/node/24

Finanzierung
Eigenmittel und Fördermittel

Personen
Kuratorische Leitung und PR-Arbeit: Dr. Cornelia Lund und Dr. Holger Lund
Stellvetretende Leitung: Meike Frank
Gastkuratoren für Veranstaltungsreihen: Anja Füsti und Oliver Prechtl (Plattform für freie Musik); Matthias Siegert (Rotlichtkonzerte)
MitarbeiterInnen: Frederike Brocke, Florian Härle, Annette Helfferich, Annerose Bach
Projektassistenz: Myriam Elabdi
PraktikantInnen: Leonie Adelmann, Nicola Schmidt, Eva-Maria Offermann, Gitte Lindmaier, Nadine Tsalawasilis

Design, Motion Graphic Design: Jan Schöttler, Kai Heuser, Johannes Hennicke, Oliver Moore, Stapelberg & Fritz, Volker Kühn, Eva Schmeckenbecher, Ilja Knezovic, Eva-Maria Offermann
Übersetzungen: Lutz Eitel
 

Konzeption

Was ist Medienkunst? Zunächst Kunst, bei der Medien zu ästhetischen Zwecken eingesetzt werden. Es ist zudem eine Kunst, die erkennbar den Medieneinsatz als solchen reflektiert. Medienkunst, so könnte man knapp formulieren, bietet in ästhetischen Arbeiten Gedanken zu Medien und Medialität, mithin zu den spezifischen Eigenschaften medialer Strukturen.

Der Begriff 'Medienkunst' hat sich in den 1980er Jahren etabliert im Zusammenhang mit den digitalen Neuen Medien, und zwar so sehr, dass lange als 'Medienkunst' galt, was besagte Neuen Medien zu ästhetischen Zwecken eingesetzt hat. Ob dies dann stets mit einem Bewusstsein über Medialität, die Eigenschaften medialer Strukturen reflektierend, verbunden gewesen ist, dürfte bei der Begriffsverwendung nicht zwangsläufig eine Rolle gespielt haben.

Im Gegenzug hat es im kunstwissenschaftlichen Diskurs recht bald kritische Bestrebungen gegeben, den Begriff 'Medienkunst' aus der verengenden Sichtweise auf die Neuen Medien herauszunehmen. Statt der ausschließlichen Fokussierung auf die Neuen Medien wurde versucht, einen spezifischen Medienumgang generell in den Blick zu bekommen, gleichviel, ob analoge oder digitale Medien Einsatz finden. Unterstützt wurden diese Bestrebungen nicht zuletzt vom Niedergang der New Economy. Nachdem der hype um die Neuen Medien verblasst war, konnte eine kritische Auseinandersetzung mit der 'Medienkunst' stattfinden.

Dabei zeigt sich, dass der Prozess einer medienbewussten und medienreflektierenden Vorgehensweise in die Frühe Neuzeit zurückverortet werden kann. Wichtige Schritte in diesem Prozess sind die beginnende Konstituierung des Künstlerindividuums, die Institutionalisierung der künstlerischen Ausbildung sowie die Theoriebildung in den einzelnen medialen Gattungen wie Malerei, Skulptur und Architektur. Vor allem jedoch der paragone, der Wettstreit der Gattungen untereinander, trug erheblich zu einem medialen Bewusstsein in den einzelnen Gattungen bei. Künstlerische Spezialisierung einerseits und die Idee des uomo universale andererseits sind gleichsam zwei Seiten dieses Prozesses.

Mit avantgardistischen Positionen des ausgehenden 19. Jahrhunderts und den historischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts wurde schließlich der media turn vollzogen, dessen theoretisches Kondensat McLuhans „the medium is the message“ darstellt.
Seit besagtem media turn nutzen Künstler immer extensiver Möglichkeiten, in und mit Medien ästhetische Reflexionen über Medialität zu vollziehen. Zeitgenössische Arbeiten, welche diese Reflexionen bieten und auf innovative Weise weiterführen, sollen in der Medienkunstgalerie fluctuating images. contemporary media art ein Forum finden. Dies vor dem Hintergrund, dass mediale Authentizität insbesondere seit dem Irak-Krieg 2003 immer stärker hinterfragt wird, wenn nicht gar implodiert ist. Künstlerisch hat das sowohl die Suche nach neuen, authentischen medialen Formen als auch nach metareflexiven Praktiken zur Folge. Die hierbei entwickelten medialen Strategien gilt es auszuloten.

Schnittstelle Kunst – Wissenschaft: fluctuating images. contemporary media art möchte sich als Ort der Kunstpräsentation und der Kunstreflexion profilieren. Die ästhetische Reflexion über Medialität soll durch wissenschaftliche Reflexion in Kooperation mit wissenschaftlichen Institutionen ergänzt werden, um solcherart eine Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft zu begünstigen. Eine Schnittstelle, die speziell in Deutschland institutionell bislang weniger gesucht und gefördert wird, obwohl Schnittstellen-Konzeptionen wie etwa Artist-Research-Programme international etabliert sind.

Ein wichtiges Anliegen von fluctuating images. contemporary media art ist auch die Verschränkung von Internationalisierung und Regionalisierung des Ausstellungsprogramms, etwa durch Duo- oder Gruppenausstellungen, welche lokale und internationale Potentiale Verknüpfen, um solcherart die Anbindung der regionalen Kunstszene zu gewährleisten und dieser Kunstszene zugleich eine Anbindung an die internationale Kunstszene vor Ort zu ermöglichen.

Durch kunstvermittelnde Aktivitäten wie Präsentationen, Künstlergespräche und Führungen soll eine breitere Öffentlichkeit erreicht werden (potentieller Kooperationspartner: Museumspädagogischer Dienst der Landeshauptstadt Stuttgart). Als ein Forum für die Reflexion an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft möchte fluctuating images. contemporary media art nicht nur das Fachpublikum, sondern auch die interessierte Öffentlichkeit in aktuelle Diskussionen einbeziehen, etwa durch Vorträge oder Workshops.

Cornelia Lund und Holger Lund, März 2004


Zwischenbilanz Juni 2008

Die Medienkunstgalerie fluctuating images, gegründet 2004 und primär getragen von Cornelia und Holger Lund, hat sich zum Ziel gesetzt, Medienkunst zu präsentieren und die Reflexion darüber zu begleiten und mit Impulsen zu versehen.

Präsentiert werden vorwiegend audiovisuelle, intermediale und medienreflexive Arbeiten. Das Programm verschränkt internationale und regionale Ausrichtung. Als Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Öffentlichkeit bietet fluctuating images Raum für die Reflexion und Vermittlung medienkünstlerisch relevanter Themen. Die Räume in der Jakobstraße 3 in Stuttgart bieten Platz für Ausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen, Seminare und Workshops.
 
Fluctuating images versteht sich als ein Forum, in dem nicht nur eigene Ausstellungen und Veranstaltungen durchgeführt werden, sondern zahlreiche Kooperationen und Gastveranstaltungen das Programm erweitern. Regionale und überregionale Vernetzung sind wesentliche Elemente der Arbeit, durch sie wirkt fluctuating images als Kristallisationspunkt und Vernetzungsort und konnte sich international etablieren.

Inhaltlich haben sich bei der Ausrichtung auf Medienkunst folgende Schwerpunkte entwickelt:

-    audiovisuelle Arbeiten, speziell Musikvisualisierungen (Visual Music)
-    intermediale Verschränkung analoger und digitaler Prozesse, etwa in den Bereichen Grafik oder Fotografie
-    generative Software, etwa im Architekturkontext

Zusammenfassend kann festgestellt werden: fluctuating images hat erfolgreich eine Lücke in der Kulturlandschaft der Landeshauptstadt Stuttgart und der Region schließen können.
Dieser Erfolg wird bestätigt durch ausgezeichnete Besucherzahlen, die gute Presseresonanz, aber auch durch den Preis der Kulturstiftung der Länder für das schulpädagogische Projekt „Visual Music – Musik im Auge behalten“ (2005) oder durch Einladungen etwa nach Paris, London, Genf, Basel und San Francisco, wo audiovisuelle Programme von fluctuating images zu Visual Music und wissenschaftliche Beiträge zu audiovisueller Medienkunst gefragt sind. 2009 erscheint zudem eine Publikation mit dem Titel „Audio.Visual – on Visual Music and Related Media“ bei Arnoldsche Art Publishers sowie „Vidos“, eine DVD mit Booklet zum Album Dos von Michael Fakesch (Ex-Funkstörung).
Auf Grund dieser Aktivitäten zählt fluctuating images heute mit zu den weltweit führenden Institutionen in Sachen Musikvisualisierung.

Cornelia Lund und Holger Lund, Sommer 2008