Architekturvideos

The sky bent down to earth – Architekturvideos und -visionen

Konzeption des Forschungsprojektes

Ausgangsbasis für die Entwicklung der Grundidee zum Projekt „The sky bent down to earth – Architekturvideos und -visionen“ bilden Erkenntnisse, die im Verlauf des von der Landesstiftung geförderten zweijährigen Projekts „Visual Music“ (2007-2008) von fluctuating images gewonnen werden konnten.

Durch die verstärkte Auseinandersetzung mit dem Thema „Visual Music“ in kuratorischer Praxis und Forschung ist deutlich geworden, dass sich im Bereich der Architekturvisualisierung grundlegende Veränderungen abzeichnen, die nicht zuletzt in eine Verbindung von musikalischen und filmischen Elementen unter dem Vorzeichen architektonischen Experimentierens münden. Als Beispiel seien hier die DVD-Produktionen des kanadischen Musik-Labels „cocosolidciti“ (www.cocosolidciti.com) genannt, die urbanistische Visionen in der Form von Visual Music präsentieren.

Diese Entwicklung findet vor folgendem Hintergrund statt: In den letzten Jahren entwickelte sich eine neue visuelle Kultur im Bereich der Architektur: digital animierte Visualisierungen von tatsächlichen Architekturprojekten oder von architektonischen Visionen.
Bei Präsentationen architektonischer Entwürfe im Ausstellungskontext sind Architekturvideos häufig schon zum Kern- oder Höhepunkt der Präsentation geworden, so etwa bei der Ausstellung zu Zaha Hadids geplantem Casino in Basel (Schweizerisches Architekturmuseum Basel, 2005) oder Christian de Potzamparcs Ausstellung "Rêver la ville" (Cité de l'architecture & du patrimoine, 2007). Ferner hat sich mit dem „international festival for architecture in video/beyond media“ (Florenz, seit 1997) eine Festivalplattform für Architekturvideos etablieren können.

Die Visualisierungen integrieren auch Musik-, Grafik- und Textelemente in die Darstellung architektonischer Visionen. Visionen durchaus gemeint im wörtlichen Sinne als Sichtbarmachungen sowohl von Auftragsarchitektur als auch von freien Entwürfen und experimentellen Arbeiten.
Inzwischen sind digitale Architekturvideos integrale Bestandteile des Architektur-Alltags. Damit allerdings sind sie nicht automatisch auch Bestandteil der architektonischen Reflexion geworden. An dieser Stelle setzt das geplante Projekt an.

Mit der Verschiebung der Präsentation einer Architektur vom Plan und dreidimensionalen Modell hin zum zeitbasierten Video, findet zugleich ein Paradigmenwechsel statt: Der mit technischen Angaben versehene zweidimensionale Plan und das dreidimensionale Modell werden abgelöst durch ein zweidimensionales Medium, das die Illusion von Dreidimensionalität und Bewegung im Gebäude suggeriert. Die Suggestivkraft der digitalen Animation wird meist unterstützt durch musikalische Untermalung. Was bedeutet diese mediale Verschiebung und Verknüpfung mit anderen Medien für die Wahrnehmung der Architektur?

Was die digitalen Videovisionen eint, ist der Zugriff auf nicht genuin mit der Architektur verbundene Medien (Video, Musik, Grafik) und mediale Gattungen (Musikvideo, Games) sowie die Entwicklung einer eigenen kurzfilmischen Sprache zur Darstellung architektonischer Sachverhalte jenseits des Architekturvideos als reinem Kommunikationswerkzeug.
Zugleich wird diese Sprache, die nicht zuletzt von vorwiegend in der Architektur benutzter Software ausgeht, bereits in andere Kontexte verschoben. Dort kann sie für nicht genuin an architektonische Entwurfsplanung gebundene Projekte weiterentwickelt und verfremdet werden, etwa für Musikvisualisierungen. Entscheidend ist dabei die Verselbständigung, die inzwischen eingetreten ist: neben dem repräsentativen Video als Modellersatz erscheint immer stärker das fiktionale Video als experimenteller Freiraum.

Das geplante Projekt möchte das Spektrum dieser unterschiedlichen Formen der Architekturvisualisierung vom konkreten Entwurf bis zum freien Spiel mit den ästhetischen Parametern der Architekturvisualisierung untersuchen. Leitfragen hierbei sind: Was unterscheidet Architekturvideos von anderen Kurzvideos, worin liegt ihre spezifische Ästhetik, worin ihre Möglichkeiten und Grenzen, und: worin liegt ihre Signifikanz?

Konzeption: Cornelia Lund, Holger Lund (fluctuating images)

Text: 23. März 2008

Bislang sind im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt drei Filmscreening-Programm entstanden, zwei davon gezeigt beim Internationalen Trickfilmfestival Stuttgart:

Internationales Trickfilmfestival Stuttgart 2010
Animated Architecture – Screening kuratiert von Cornelia und Holger Lund mit kuratorischer Assistenz von Elisabetta Enne und Roberto Barbieri

und Internationales Trickfilmfestival Stuttgart 2011
Animated Architecture II – Screening kuratiert von Cornelia und Holger Lund mit kuratorischer Assistenz von Meike Frank

sowie eine Veranstaltung bei General Public, Berlin
Freitag, 10. August 2012, 20.00 Uhr
Animierte Architekturvideos als neue Form architektonischen Denkens
Präsentation mit Videobeispielen von Cornelia und Holger Lund