Visual Music

Das zweijährige Projekt „Visual Music“ (2007-2008) der Medienkunstgalerie fluctuating images e.V. wird gefördert von der Landesstiftung Baden-Württemberg. Es wird kuratiert von Cornelia Lund und Holger Lund.

Das Projekt mündet in die Publikation „Audio.Visual - On Visual Music and Related Media“.

Cornelia Lund und Holger Lund (Hrsg.)
Audio • Visual
on Visual Music and Related Media
320 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Format 17,5 x 25 cm. Hardcover. Buch mit DVD
€ 39,80 [D] SFr 71
ISBN 978-3-89790-XXX-X
Lieferbar: März  2009

www.arnoldsche.com

Der Publikation voran geht „Exploring Party – Party als Kunst. Von Andy Warhols EPI bis heute“ mit audiovisuellen Live-Performances, Vorträgen, Screenings und einer Ausstellung. Von der audiovisuellen Studioproduktion (z.B. 3D-Animation, Motion Graphics) über experimentelle audiovisuelle Performances als Improvisation mit Tanz bis hin zu größeren audiovisuellen Produktionen liefern die Veranstaltungen ein breites Spektrum audiovisueller Formate, das exemplarisch die verschiedenen aktuellen Ausprägungen von Visual Music repräsentiert und als eine der Grundlagen für die Publikation dienen soll.

Der Publikation voran geht ferner die Veranstaltungsreihe „Visual Music live & discussed“ mit reflexiven und performativen Veranstaltungen zu Visual Music. Bei der Veranstaltungsreihe geht es vor allem auch um institutionelle Aspekte des Themas Visual Music. WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und KuratorInnen werden eingeladen, die aus unterschiedlichen Perspektiven und in unterschiedlicher Weise mit Visual Music umgehen.

 

Zum Thema:

Visual Music

Dass sich bei Produktionen im Kunst- und Populärkulturbereich verschiedene Medien treffen und zusammenwirken, lässt sich verstärkt seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts beobachten. Die Grundsteine aktueller Inter- und Multimedialität wurden im Wesentlichen in dieser Zeit gelegt.

Dass sich Musik und Film als Visual Music intensiv miteinander verbinden lassen, ist jedoch, nach Versuchen beim Avantgardefilm der zwanziger und dreißiger Jahre und beim Expanded Cinema der sechziger und siebziger Jahre, erst eine Entwicklung der letzten fünf bis zehn Jahre. Es handelt sich um eine kulturelle Praxis, die nicht von der Entwicklung der Computertechnik losgelöst werden kann. Diese Entwicklung liegt vor allem bei der Prozessorenleistung und der Grafikkartenqualität. Real Time Processing, also in Echtzeit und live abgestimmtes visuelles Vorgehen zu Musik, ist seit 1999 technisch ohne Schwierigkeiten und zu einem erschwinglichen Preis zu leisten.
Seitdem die Computertechnik das Koppeln von filmischen Bildsequenzen (den sogenannten Visuals) in Echtzeit an Musik erlaubt und popularisiert, vermehren sich audiovisuelle Produktionen deutlich.
Neue ästhetische Formen entstehen (digitale Visual Music), neue Berufe (VJ=Visual Jockey), neue Technologien (Mixer-Hardware, User-Software) und neue Organisationsformen (DVD-Labels) werden erfunden.

Visual Music als Kombination von Visuals und Musik unterscheidet sich von anderen Spielarten der Visualisierung von Musik. Von der Farbmusik ist sie technisch und durch das Dargestellte unterschieden, insofern die Farbmusik lediglich eine Umsetzung von Musik in Licht und Farbe anstrebte, Visual Music hingegen alle Möglichkeiten des „digital cinema“ im Sinne Lev Manovichs nutzen kann, also auch Realbilder, animierte Bilder, Kreuzungen zwischen beidem etc. Vom experimentellen Film ist die Visual Music geschieden durch die Rolle der Musik und den Live-Charakter des Bildmischens.
Vom Expanded Cinema und der Videokunst ist sie durch ihre konsequentere rhythmische Gebundenheit an die Musik unterschieden und von den Musikshows im Fernsehen sowie den Musikvideos durch die Abwesenheit eines singenden Popstars, auf den hin das visuelle Geschehen zentriert ist. Anders gesagt: die Musik ist bei Visuals in aller Regel offscreen, weder sind die Instrumente noch deren Spieler zu sehen, bei Musikvideos hingegen ist die Musik meist onscreen vorhanden (wenn auch nur mit simuliertem Instrumentspiel).
Zudem ist Visual Music bislang vor allem ein Live-Ereignis gewesen, anders als die filmischen Studioproduktionen von Musikvideos. Und die sequentielle Ordnung von Visuals ist entweder zyklisch oder assoziativ, sehr selten erzählerisch – anders wiederum als beim oftmals erzählenden Musikvideo.
Dennoch gilt auch hier: die Grenzen sind elastisch, Visual Music als Kategorie ist offen hin zum Musikvideo, zur Videokunst, zum Expanded Cinema, zur Animation. Das liegt nicht zuletzt am Begriff ‚Visual’ selbst, der alle Arten von Bewegtbild zuläßt, sei es filmisch generiert, sei es Video, Overhead, Dia oder Licht.

Auch wenn sich die Bezeichnung VJ von DJ ableitet, kommen beim VJ deutlich mehr Funktionen zum Tragen als beim DJ. Dieser ist vornehmlich musikalischer Gestalter. Der VJ ist nicht selten Techniker (Installateur der visuellen Mittel), Bildhersteller, Produzent und visueller Gestalter in einem. Als visueller Gestalter liefert er übrigens nicht nur Videosequenzen, sondern mit Ihnen zugleich auch noch Licht und Farbe im Raum. Visual Music kann auch als eine Art Live-Kino verstanden werden, mit zumeist mehreren, auf die räumlichen Verhältnisse abgestimmten Projektionen oder Monitoren. Live-Kameras, Mixer, Software, Effektgeräte, Projektoren, Monitore und räumliche Situation können dabei ein dynamisches System ergeben, das als Instrument des VJs bezeichnet werden kann. VJing als performative Live-Tätigkeit kann deswegen auch mit dem Begriff ‚mediale Raumgestaltung’ gefasst werden. Sie unterliegt den Gesetzen performativer Ästhetik. Paul Spinrad bezeichnet in seinem jüngst erschienenem VJ-Book VJing daher auch als „video performance“ (Spinrad, Paul, The VJ Book, Los Angeles, 2005, S. 1) und der VJ wird auch als „performance cinematic artist“ (ebd., S. 108) geführt.
(Holger Lund)

 

Visual Music Archive

Listening with eyes, seeing with ears. Das Visual Music Archive ist eine non-institutionelle und hochgradig subjektive Sammlung inspirierender Arbeiten aus dem sich stets erweiternden Bereich der Visual Music. Das Visual Music Archive wird geführt von Heike Sperling. Cornelia und Holger Lund (fluctuating images) arbeiten regelmäßig an dem Visual Music Archive mit.

visualmusicarchive.org