Radiophone Kunst

Samstag, 10. November 2007
Radiophone Kunst - Dinahbird, Jopo Stereo & Mono Monsieur, Alessandro Oertwig und Michael Jotter. In Kooperation mit der Plattform für freie Musik e.V., den Instituts Français Stuttgart und dem Freien Radio für Stuttgart

Dinahbird (Tonkünstlerin und Radioproduzentin, Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris) und Jean-Philippe Renoult aka Jopostereo und Mono Monsieur (Komponist, Moderator, freier Kurator Centre Georges Pompidou) sind auch 2007 wiederum zu Gast. Beide gehören zu den Mitgründern von Project 101 in Paris.
Das Konzept von project 101 basiert auf internationalem Austausch: 2005 und 2006 war fluctuating images bereits mit einer Präsentation der audiovisuellen Screening-Programme „media flow“ zu Gast bei project 101, 2006 folgte der erste Gegenbesuch, dem sich nun ein zweiter anschließt.

Dinah Nuttall (Dinahbird) ist Radiokünstlerin und Feature-Journalistin. Sie lebt in Paris und London.
Dinahbird erstellt Radioprogramme, Audiopublikationen, Audioinstallationen und Soundtracks. Ihre Soundcollagen auf narrativer Basis sind ein poetischer Fluss aus Geschichtenerzählen, Anekdoten, Musik und Field Recordings. Zu ihren letzten Auftragsarbeiten gehören für BBCCR4 „The Music Machine“, ein Beitrag über die Ondioline, eine der ersten elektronischen Synthesizer, ferner eine Sound/Video-Arbeit, welche die Entwicklung und das Wachstum eines New Yorker Stadtgartens während seines ersten Jahres dokumentiert, sowie „Sounds of the Brewery“, eine in-situ-Installation für Cork im Rahmen der Kulturhauptstadt 2005.
Ihre Arbeiten wurden präsentiert und gespielt in BBCR4, France Culture Atelier de Création Radiophonique, Resonance FM und Kunst Radio. Gegenwärtig ist sie beschäftigt am Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris. Dort entwickelt sie Sound-Workshops in Relation zur ständigen Sammlung sowie zu Sonderausstellungen.

Jean-Phillipe Renoult ist Autor, Radioproduzent und Soundkünstler. Er lebt in Paris.
Renoult hat als Radioproduzent für mehr als 15 Jahre für France Culture gearbeitet. Seine Kompositionen vermengen elektronische Musik mit Field Recordings, Stimmen und Geräuschen unterschiedlicher Herkunft. Viele seiner Arbeiten sind stark beeinflusst von den frühen Avantgarden, ihren Collage und Cut-Up-Techniken, sowie den DJs der 80er-Jahre bis heute. Zu seinen letzten Arbeiten zählen „Pourtant Tout Simple“, ein elektroakustisches Stück beauftragt von GRM (Groupe de Recherches Musicales) zum 10. Todestag von Pierre Schaeffer (2005), und „I could never make that Music Again“, ein Hörstück, das sich mit dem Markt elektronischer Musik befasst, beauftragt vom Radiodays festival (De Appel gallery, Amsterdam) und 2007 erschienen als CD auf sub rosa.
Renoult kuratiert ferner die Reihe „Voir et Entendre“ im Centre Pompidou Paris, entwickelte „Sound Drop“, eine fortlaufende Serie von Audiospaziergängen in Europa. Als Autor veröffentlichte der ein Standardwerk zur Techno-Musik, Global Tekno: voyages initiatiques au cœur des musiques électroniques (1999). Zur Zeit arbeitet Renoult an der Etalblierung eines Internetradios, radio mentale.
www.project-101.com und www.jeanphilipperenoult.com

Jotters Schallwandlungen werden von Oetwig absorbiert, am linearen Verlauf gehindert und in Schwallen und Scheiben bzw. Stückchen wieder verströmt oder besser verstromt, also amplifiziert, und wieder absorbiert, zu guter Letzt aber wieder verbreitet. Gelegentlich aber auch verbreitert. In Jotter erregen die Oszillationen Oertwigs Verzückungen die als impulsive Zuckungen in den Fingern zu immer neuen Geräuschzuständen aus mit kleinen Klaviaturen versehenen, Mikrochip gesteuerten Generatoren führen. (Achtung auch Drehregler sind mit von der Party.) Diese Tonexpression wird wiederum von Oertwig eingesaugt und in elektrische Verwirrung gebracht, was zu einer Fülle akusmatischer Erscheinungen ausufert.
Beide Protagonisten dieses Vorgehens, Jotter und Oertwig, reichern die Luft mit Inhalten aus Magnettonträgern an und entzerrten spiralförmigen Rillenschallsignalen an und biegen den Ton förmlich mit den Händen. Wichtig beim Anschwellen der Wellen ist die Befreiung von der Wellenangst oder meinen wir die Schwellenangst? Nein, die Wellenangst. Diese Befreiung führt zu neuen, ungeahnten Wellenformen wie die Nockenwellenform, Bugwellenform und die Dauerwellenform.

Mit freundlicher Unterstützung des Medienteams der Landeshauptstadt Stuttgart.