Urban Acoustic Tribe 2016

Freitag, 23. September 2016, 20:00, Acud, Berlin
Urban Acoustic Tribe, ein Festival der Berliner Gesellschaft für Neue Musik
STYLE AND SOCIETY — ISTANBUL'S MUSIC SCENE IN THE 1960S AND 1970S: MUSICAL HYBRIDISM, THE GAZINO, AND SOCIAL TOLERANCE
Music-Video Vortrag mit Cornelia Lund (Universität Hamburg/fluctuating images, Berlin) und Holger Lund (DHBW Ravensburg/fluctuating images, Berlin)

Urban Acoustic Tribe thematisert Musik als transkulturellen Raum, und fragt nach Tradition und Übertragung von europäischer und arabischer Musik.
Jenseits von "Weltmusik" soll ein Diskurs eröffnet werden, Verbindungslinien zwischen unterschiedlichen Kulturen aufzeigt werden, um neue künstlerische Annäherungen zu ermöglichen.

Wie viele andere Länder auch, wurde die Türkei von der ersten globalen Welle anglo-amerikanischer Pop-Rock-Musik in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren getroffen. Pop-Rock-Musik in ihren unterschiedlichen Spielarten wurde in der Türkei rezipiert, jedoch weniger schlicht kopiert sondern vielmehr produktiv in zahlreiche, verschiedenartige Kombinationen aus diversen lokalen, indigenen Elementen und globalen, anglo-amerikanischen Elementen überführt. Dies ist vor allem an den Stilen Anatolian Rock, Arabesk und Belly Dance-Musik zu erkennen. Die besondere Qualität dieser Kombinationen scheint begründet in der besonderen Situation des musikalischen Feldes in der Türkei. Es zeichnet sich aus gegenüber jenen anderer Länder durch einen unabhängigen, vielfältigen Markt mit außergewöhnlich vielen Plattenlabels, eine höhere und spannungsreichere Komplexität sowie durch eigenständigere musikalische Lösungen. Das liegt nicht zuletzt an den diversen Akteuren auf dem Feld. Diese haben sich auf unterschiedliche Weise und – recht erstaunlich – über soziale Grenzen hinweg zusammengetan, um musikalische Synthesen aus unerwarteten Kombinationen und mit überraschenden Wendungen zu bilden, für die es unter anderem in speziellen Orten, den Gazinos, Publikum gab.
Der Vortrag untersucht mithilfe von Musikbeispielen die Akteure auf diesem Feld, zu welchen, neben anglo-amerikanischer Pop-Rock-Musik und anatolischer Folk-Musik, die genannten Hybridformen Arabesk, Anatolian Rock und Belly Dance-Musik gehören. Diese adressieren jeweils recht unterschiedliche Zielgruppen, dennoch konnte es zu Kombinationen zwischen ihnen kommen. Die Kernfrage lautet daher: Wieso konnte es in der Türkei der 1960er- und 1970er-Jahre zu paradox wirkenden stil- und milieuübergreifenden Allianzen kommen, wie sie im Rahmen westlicher Pop-Musik undenkbar gewesen wären? Wieso konnte poplogisch Unvereinbares im tatsächlichen Musikgeschehen vereint und kombiniert werden? Offensichtlich gibt es eine eigene türkische Poplogik, die wiederum an ihre speziellen Orte, die Gazinos, führt.
 

Weitere Informationen zum Festival: www.facebook.com/events/677466319089164/

http://acudmachtneu.de/events/720/urban-acoustic-tribe/

Location:

Acud Macht Neu
Veteranenstraße 21.
10119 Berlin Mitte

U8 Rosenthaler Platz

http://acudmachtneu.de/