Ränder des Films
22. - 23. Oktober 2004
Wissenschaftlich-künstlerischer Workshop „An den Rändern des Films“
- zu Aspekten medialer Grenzüberschreitung und intermedialer Experimente in und mit dem Film
Mit Alexandra Käss, Lena Christolova, Stefanie Stallschus, Barbara Filser
Christian Jamin, Anja Kreysing, Letizia Werth, Susanne König, Jörn Schafaff, Kerstin Stutterheim


Letizia Werth, Stopmotion

Christian Jamin, Walken Sitting

Thuja, Field Locator
Beiträge
Alexandra Käss (Bonn): Film als Lichtspiel – Lichtspiel als Film
Lena Christolova (Konstanz): Seltsame Ränder von Schatten
Stefanie Stallschus (Berlin): Modulation der Aufmerksamkeit. Modelle der Interferenz bei Michael Snow
Barbara Filser (Karlsruhe): Chris Markers La Jetée „photo roman“ oder –ciné-roman“? Ein Film an den Rändern des Films
Christian Jamin (Basel): Über „Walken Sitting“
Anja Kreysing (Münster): Über „Field Locator“
Letizia Werth (Wien): Über „Stop Motion“
Susanne König (Hamburg): „Le corbeau et le renard“. Zum Verhältnis von Film und Text bei Marcel Broodthaers
Jörn Schafaff (Hamburg): Angewandtes Kino. Zu einigen Arbeiten Philippe Parrenos
Cornelia Lund (Stuttgart): moving|images - zum Verhältnis von Film, Tanz und Raum
Kerstin Stutterheim (Würzburg): Video-Theater
Holger Lund (Stuttgart): Visual Music
Konzeption:
Ausgehend von der Beobachtung, dass der Film eine leitmediale Funktion im aktuellen Kunstgeschehen ausübt, gilt dieser Workshop der Reflexion intermedialer Phänomene im Film und an dessen Rändern. An den Rändern des Films operieren zum einen Arbeiten, bei denen der Film mit einem oder mehreren Medien kombiniert wird wie etwa beim Expanded Cinema, zum anderen Medien, die filmische Momente integrieren oder sich an diesen reiben. Beispiel hierfür ist die Dia-Überblendschau, die ihrem Wesen nach zwischen Film und Fotografie zu situieren ist und bei zeitgenössischen Ausstellungen immer präsenter wird. Diese Präsenz blieb allerdings wissenschaftlich und kuratorisch relativ unbemerkt, lediglich die Ausstellung „Dia/Slide/Transparency. Materialien zur Projektionskunst“ in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst Berlin, 1999, versuchte eine erste reflektierende Bestandsaufnahme. Ähnlich verhält es sich bei weiteren Medien bzw. intermedialen Phänomenen, etwa beim Filmstill als extrapolierter Fotografie aus dem Film heraus, bei digitalen Videosequenzen, die als visuals in einer Art Live-Cinema zu Musik projiziert werden, bei analogem Filmmaterial, das in digitale filmische Prozesse integriert wird oder bei der Neuen Musik, wo nicht nur massiv filmische Sequenzen zur Musik hinzufügt werden, sondern manche Stücke von vornherein nur als Film produziert werden, die Musik also gleichsam in den Film hineinschlüpft.
Die Reflexion dieser intermedialen Phänomene scheint bislang nicht ausreichend betrieben worden zu sein, die spezielle, tragende Rolle und Funktion des Films dabei kaum Beachtung gefunden zu haben. Der Workshop „An den Rändern des Films“ will diese in ihrer aktuellen Ausformung beleuchten und ihrer historischen Entwicklung etwa aus dem absoluten Film (Verbindung von Film und Musik) oder der Erweiterung des Films in den Raum beim Expanded Cinema in den 60er Jahren nachspüren.
Vernissage Freitag, 22. Oktober 2004, 20.00 Uhr
Ausstellung:
Letizia Werth: Stop Motion (Film)
Thuja: Field Locator (Film)
Christian Jamin: Walken Sitting (Videoinstallation)
Letizia Werth: Stop Motion (Filmprojektion)
Der Film besteht aus annähernd 500 gefunden Fotos. Sie zeigen Frauen, die in der Fremde bewusst posieren, sie stehen, sie lehne sich an, etc. Die einzelnen Fotos werden zu einem Film zusammengesetzt, so dass aus den einzelnen Positionen in der Überlagerung eine gemeinsame wird, die voneinander unabhängigen Frauen werden zu einer, die teilweise sogar kurze Bewegungsabläufe zu unternehmen scheint.
Thuja: Field Locator (Filmprojektion)
Zu ihrer eigenen Musik spielte Thuja ihren VHS-Video-Film mit Naturaufnahmen auf einem Bildschirm ab, um dann alles zusammen mit einer alten S-VHS-Kamera aufzunehmen. Mit dieser Kamera filmt sie von der Schulter herab, wodurch leichte Schwankungen entstehen und der Zuschauer beginnt, „mit durch das Unterholz zu straucheln“.
Christian Jamin: Walken Sitting (Monitorinstallation)
In einem Raum werden 9 Monitore aufgestellt, die mit 9 DVD-Playern verbunden sind. In jedem Player befindet sich ein Film, in dem der amerikanische Schauspieler Christopher Walken mitspielt. Die Filme sind in speziell gewählten Momenten auf Pause/Standbild gestellt. Walken gilt für den Künstler als einer der wenigen Schauspieler, der sich traut, Pausen zu machen, gefürchtete Pausen, in denen seine Präsenz den Zuschauer gleichsam ins Medium aufsaugen kann. Walken liebt es zu sitzen, dann kann er seine bedrohliche Kraft am besten entfalten, die ihm in den Ruf eintragen hat, ein „Psycho“ zu sein.
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Workshop und Ausstellung werden gefördert von:
Medienteam der Landeshauptstadt Stuttgart, MFG Filmförderung Baden-Württemberg
Dank für Graphic Art von Flyer und Plakat an Oliver Moore
